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Ian McKeever / Tony Cragg

MALEREI UND SKULPTUREN

8. Februar bis 1. Juni 2020
Untere Ausstellungshalle

Wenn man die Bedeutung doch nur in Händen halten könnte, dachte er, wenn die Bedeutung doch nur massiv wäre und aus Material bestünde. Im Unterschied zum Gedanken, der so leicht schien, habe die Bedeutung Gewicht, fühlte sich schwer an. Sie war vielleicht nicht so einfach messbar, aber sie hatte ein Gewicht und eine Form, war greifbar. Er stellte sich vor, wie er einen Gedanken, irgendeinen Gedanken, nahm und ihn faltete, wie man ein Stück Papier falten würde, es zusammendrückte, bis es zu Bedeutung wurde. Wie er die Bedeutung dann in seiner Hand halten und ihre Konkretheit, ihre Ausmaße fühlen würde. Danach würde er das Papier langsam wieder ganz enthalten, bis die Bedeutung nicht mehr da wäre, verschwunden wäre, und sein vorheriger Gedanke wiederauftauchte. Oder vielleicht ein anderer Gedanke, mit dem er den ganzen Vorgang des Zusammenfaltens und Entfaltens von vorne beginnen könnte.

Die Serie der Henge Paintings wurde 2016 begonnen und ist noch nicht abgeschlossen. In einer Gruppe von Gemälden malt Ian McKeever für gewöhnlich ein oder zwei vorwiegend schwarze Bilder. Er sieht darin das Bedürfnis, die ätherische Qualität seiner ,weißen‘ Gemälde hin und wieder konkreter zu bestimmen und dadurch spürbar zu machen. Seit den Diptychs (1983–1990) sind die Henge Paintings seine erste Serie, in der die Farbe Schwarz überwiegt. Für den Künstler ist die Verwendung von Schwarz weder emotional finster noch trübsinnig, Eigenschaften, die oft mit dieser Farbe assoziiert werden. Die Gemälde deuten vielmehr an, dass auch die Farbe Schwarz eine eigene Leuchtkraft haben kann. Der Titel der Gemälde bezieht sich auf die beiden prähistorischen Anlagen aus „Standing Stones“, aufrechtstehenden Steinen in Stonehenge und Avebury; der Künstler lebt und arbeitet in der Nähe dieser beiden Orte in Südwestengland.

Biografie

Ian McKeevers erste Einzelausstellung fand 1973 im ICA, London, statt. 1989 erhielt er das renommierte Berliner DAAD-Stipendium, an das sich 1990 eine umfangreiche Retrospektive in der Whitechapel Gallery in London anschloss. Er nahm an zahlreichen Museumsausstellungen teil, darunter Dialogue, Moderna Museet, Stockholm 1985; New Abstractions, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid und Museu d’Art Contemporani, Barcelona 1996; Royal Academicians in China, National Gallery, Beijing, Shanghai Art Museum und Royal Academy of Arts, London, 2005; Tate Britain, 2011, und National Museum of Norway, 2012. Museale Einzelausstellungen wurden unter anderem gezeigt von der Kunsthalle Nürnberg und vom Kunstverein Braunschweig, 1987; Porin Taidemuseo, 1997; Kunsthallen Brandts, Odense 2001; Royal Academy of Arts, London 2010; Sønderjylland Kunstmuseum, 2011; Josef Albers Museum, Bottrop 2012, und Kunst- Station Sankt Peter, Köln 2014. Seine Werke befinden sich unter anderem in folgenden international bedeutenden öffentlichen Sammlungen: Tate, British Museum, Royal Academy of Arts, London; Museum Moderner Kunst, Wien; Museum of Fine Art, Budapest; Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk; Glyptotek, Kopenhagen; Museum of Contemporary Art, Helsinki; Brooklyn Museum of Art, New York; Metropolitan Museum of Art, New York; Boston Museum of Fine Art und Yale Center for British Art, Connecticut. 2003 wurde Ian McKeever zum Mitglied der Royal Academy gewählt.